Unser Traumapädagogisches Konzept
Stand: Mai 2023
In unserer Arbeit bemerken wir des Öfteren, dass Kinder in ihrer Entwicklung Traumatisierungen erleben mussten. Diese können sehr verschiedene Ursachen und Auswirkungen haben. Trauma ist eine Bewältigungsstrategie auf ein intensives, schmerzhaftes und gewalttätiges Ereignis, dass für die/den Betreffende*n eine Überforderung und erfahrene Ohnmacht, Hilflosigkeit und Gefühl des ausgeliefert sein darstellt.
Frau Aust hat eine Weiterbildung in „Traumapädagogik intensiv“ absolviert, nutzt dieses Fachwissen und leitet als Multiplikator*in das Team an.
Es kann dann zu Ängsten, Vermeidungsstrategien, Stimmungsschwankungen, Anpassungsstörungen und vielem mehr kommen.
Onno van der Hart sagte dazu:
„Ich glaube, dass der Kern jeder Traumatisierung in extremer Einsamkeit besteht. Im äußersten Verlassensein. Damit ist sie häufig, bei Gewalttrauma immer, eine Traumatisierung der Beziehungen und der Beziehungsfähigkeit.
Eine liebevolle Beziehung, die in mancher Hinsicht einfach „sicher“ ist, wird unerlässlich sein, um überhaupt von einem Trauma genesen zu können.
Risikofaktoren in der kindlichen Entwicklung können unter anderem dabei folgende Dinge sein:
- Frühgeburt und Geburtskomplikationen
- niedriger sozioökonomischer Status
- elterliche Trennung/Scheidung und chronische Konflikte
- Wieder Heirat eines Elternteiles
- Verlust eines Geschwisters oder Freundes
- ernste und häufige Erkrankungen in der Kindheit
- alleinerziehendes Elternteil/ häufige Abwesenheit eines Elternteiles
- psychische Erkrankungen innerhalb der Familie
Traumatisierende Erlebnisse können sein:
- Naturkatastrophen
- Krieg und Terror
- Gewalttaten (Überfall, Entführung, Gewalt in der Familie)
- beobachtete Gewalterlebnisse
- sexueller Missbrauch und körperliche Misshandlung
- schwere Unfälle
- Tod und Erkrankung eines bzw. beider Elternteile/ Geschwister/ naher Angehöriger
- Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit
Wir als Einrichtung können und wollen natürlich keine Diagnosen stellen und therapeutisch tätig sein. Mit einem sensibilisierten Blick und Trauma pädagogischen Möglichkeiten können wir die betreffenden Kindern:
- Führen und Begleiten auf ihrem Entwicklungsweg
- Unterstützen bei erheblichen seelischen Verletzungen
Unser Ziel mit jeglicher Traumapädagogischer Intervention ist:
- Ressourcen-aktivierend und
- ICH-stärkend zu wirken
Dies geschieht selbstverständlich immer in einer vertrauensvollen und sichereren Beziehung mit Kindern und Eltern. Dabei sind uns die Freiwilligkeit und das vorherige Einverständnis der Eltern, sowie Transparenz über den Prozess und die Vorgehensweise wichtig. Wir sehen gezeigtes Verhalten als Überlebensstrategie an und akzeptieren dieses.
Benötigt es mehr als den sensiblen Blick und oben aufgeführte traumapädagogische Interventionen, gibt es Hinweise an die Eltern und die Empfehlung sich therapeutisch begleiten zu lassen.
Wir nutzen dies schon in folgenden Situationen:
- bei bestehenden Konflikten werden Ideen mit den Kindern zur Lösung entwickelt und Strategien erarbeitet
- kleine Rollenspiele werden zum Ausprobieren gestaltet
- Einzelgespräche; Raum haben und schaffen für individuelle Gespräche und die Öffnung um persönliche Themen zu besprechen
- eigene Ressourcen im Gespräch bewusstmachen, um auf diese zurückgreifen zu können
- Einzigartigkeit eines jeden Menschen in den Fokus rücken und klar benennen
- Kindern ihre eigenen Entscheidungen mit allen Konsequenzen lassen (wenn keine Gefährdung besteht) und DASEIN
- die Kinder anleiten, als Streitschlichter zu fungieren und damit die Eigenverantwortung stärken und sich ausprobieren
- Humor als Türöffner
- Offenheit- es gibt keine Themen, über die hier nicht gesprochen werden können
- wir halten die Kinder immer wieder dazu an ICH-Botschaften zu senden und ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu benennen
- Anregung in Interaktionen ein STOP-Zeichen bei Grenzüberschreitungen zu nutzen und diese auch genau anzusprechen
- mit verschiedenen Methoden wollen wir die Kinder befähigen, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen
- durch Vorbild/Vorleben und Spiegeln schärfen wir den positiven Blick
- eigene positive Erfahrungen können und sollen die Kinder gerne untereinander weitergeben, so wachsen alle gemeinsam in ein empathisches Miteinander hinein
- die Angebote an die Kinder richten sich an ihren Bedürfnissen aus, wir haben ein offenes Ohr und nehmen uns die nötige Zeit
- mit angeleiteter Körperarbeit schaffen wir den Kindern neue Erfahrungen und Perspektiven
- die Kinder bekommen von uns eine Rückmeldung über die Wahrnehmung der Körpersprache
- es gibt kleine Gespräche mit Eltern und Kindern und positive Rückmeldungen
- wir sehen die Eltern als Partner und gehen ohne Bewertung in Beziehungen und Gespräche
- Schaffen eines Gemeinschaftsgefühls durch gemeinsame Aktivitäten
- wir machen bei Bedarf Trauerarbeit mit den Kindern
- wir gehen bewusst auf die Suche nach Ausnahmesituationen und hinterfragen ganz gezielt das IMMER